Das Problem
Am 27. September 2026 greift die Durchführungsverordnung (EU) 2025/1960. Ab dann brauchst du in jedem B2C-Shop zwei EU-weit einheitliche Kennzeichnungen:
- den Gewährleistungshinweis — die harmonisierte Mitteilung über die gesetzliche Gewährleistung, gilt für jeden Verkauf an Verbraucher,
- das GARAN-Label — nur für Produkte, für die der Hersteller eine Haltbarkeitsgarantie von mehr als zwei Jahren gibt.
Beide sind bis ins Detail vorgeschrieben: amtliche Grafik, amtlicher Wortlaut, QR-Code, feste Farben. Du darfst dir da nichts ausdenken.
Bis vor Kurzem hieß das für Shopware-Shops: Theme-Override, eigene SVGs, eigene Felder. Das ist jetzt vorbei.
Was 6.7.14 ändert
Shopware hat beides in den Standard übernommen. Konkret bekommst du:
- zwei neue Felder direkt am Produkt (
guaranteeMonths,guaranteeConfirmed), - das GARAN-Label als fertiges SVG in der Produktdetailseite, im Warenkorb und in der Bestellbestätigungsmail,
- den Gewährleistungshinweis in 24 EU-Amtssprachen, automatisch in der Storefront-Sprache des Kunden,
- zwei Store-API-Routen für Headless-Setups.
Kein Plugin. Kein Theme-Eingriff. Was bleibt, ist Datenpflege — und ein Schalter, den du kennen musst.
Ich habe das auf einer Shopware 6.7.14.0 durchgespielt. Hier ist der komplette Weg.
Schritt 1 — Hersteller und Hersteller-Produktnummer prüfen
Das wird gern übersehen: Das GARAN-Label erscheint nur, wenn am Produkt vier Dinge gesetzt sind — Garantiedauer, die Checkbox, ein Hersteller und eine Hersteller-Produktnummer. Fehlt eines davon, rendert Shopware das Label kommentarlos nicht. Keine Fehlermeldung, kein Hinweis im Admin.
Das ist bewusst so gebaut: Marke und Modellkennung stehen auf dem Label, ein unvollständiges Label wäre unzulässig. Für dich heißt es aber, dass du zuerst im Tab Allgemein nach unten scrollst und den Block Auszeichnung prüfst.

Direkt darunter sitzt die neue Karte Garantie (GARAN Label).
Schritt 2 — Warum 24 Monate nicht funktioniert
In die Karte trägst du die Dauer der herstellerseitigen Garantie in Monaten ein. Der Hilfetext sagt: Mindestwert 30, in Schritten von 6.
Das ist keine Empfehlung, sondern eine harte Regel im Server. Die Verordnung kennt nur Haltbarkeitsgarantien von über zwei Jahren, in Halbjahresschritten. Shopware bildet das 1:1 ab: erlaubt sind nur Werte über 24, die durch 6 teilbar sind.
Trägst du etwas anderes ein — im Beispiel 35 — scheitert das Speichern:

Zwei Dinge fallen hier auf. Erstens greift die Prüfung serverseitig — auch über die Admin-API kommst du an ihr nicht vorbei. Zweitens ist die Fehlermeldung in einem deutschen Admin auf Englisch. Kein Beinbruch, aber verwirrend, wenn ein Kollege das zum ersten Mal sieht.
Gültige Werte sind 30, 36, 42, 48 und so weiter. Trägst du 30 ein, zeigt das Label „2,5" — halbe Jahre sind vorgesehen.
Schritt 3 — Label scharfschalten
Gültige Dauer eintragen, den Schalter Label in der Storefront anzeigen umlegen, speichern:

Der Schalter ist bewusst getrennt von der Dauer. Die Garantiedauer ist eine Produktinformation, die du pflegen kannst, ohne sie sofort zu veröffentlichen. Erst der Schalter ist deine Bestätigung, dass die Angabe stimmt und der Hersteller die Garantie tatsächlich gewährt.
So sieht das im Storefront aus
Auf der Produktseite erscheint das Label direkt unter der Produktnummer — also in räumlicher Nähe zu Preis und Kaufen-Button. Zunächst als schmale, eingeklappte Variante:

Ein Klick auf GARAN-Kennzeichnung anzeigen tauscht sie gegen das vollständige Label:

Das ist genau die „verschachtelte" Darstellung, die die Verordnung für Online-Transaktionen erlaubt: Das Label muss beim ersten Klick vollständig aufklappen — und genau das tut es.
Beachte die Marke auf dem Label: In der deutschen Storefront steht dort „Shopware Freizeit", in der englischen „Shopware Freetime". Shopware zieht den übersetzten Herstellernamen. Wenn du Hersteller nur einsprachig gepflegt hast, steht das auch so auf dem Label.
Dieselbe schmale Variante taucht zusätzlich als Position im Warenkorb, im Checkout und in der Bestellbestätigungsmail auf.
Der Gewährleistungshinweis läuft komplett getrennt
Und hier kommt der Punkt, an dem die meisten Shops auflaufen werden.
Der Gewährleistungshinweis hat nichts mit dem Produkt zu tun — er gilt für alle Waren. Deshalb steuerst du ihn zentral unter Einstellungen → Warenkorb, Block Bestellabschluss:

Der Schalter steht aus. In der Konfigurationsdatei von Shopware ist der Standardwert zwar true — aber auf einer laufenden Installation existiert dafür schlicht kein gespeicherter Wert, und der Shop wertet das als „aus". Ergebnis: Der Bestellabschluss zeigt gar keinen Hinweis, und die Store-API-Route /store-api/legal-guarantee-notice liefert svg: null.
Mit anderen Worten: Nach dem Update ist der Gewährleistungshinweis nicht aktiv. Du musst den Schalter einmal bewusst umlegen und speichern. Das ist der Ein-Klick-Schritt, der am 27. September 2026 über abmahnfähig oder nicht entscheidet.
Ist er an, ergänzt Shopware die AGB-Zeile im Bestellabschluss um einen Link:

Hinter dem Link öffnet sich die amtliche Mitteilung — in der Storefront-Sprache des Kunden, mit QR-Code auf das Portal „Ihr Europa":

Die 24 Sprachfassungen bringt Shopware fertig mit. Du musst nichts übersetzen, nichts hochladen, nichts pflegen.
Worauf du noch achten solltest
Varianten erben. Beide Felder sind Vererbungsfelder. Pflegst du Dauer und Schalter am Hauptartikel, gelten sie für alle Varianten — es sei denn, du überschreibst sie einzeln. Bei Produkten mit 30 Größen spart das viel Klickerei.
Massenpflege geht über Import/Export. Die Felder sind API-fähig und heißen guaranteeMonths und guaranteeConfirmed. Für einen Katalog mit ein paar hundert Garantie-Artikeln ist ein Import-Profil deutlich schneller als die Einzelpflege — die Validierung greift dort genauso.
Der Hinweis steht nur im Checkout. Shopware zeigt den Gewährleistungshinweis ausschließlich auf der Bestellabschluss-Seite, und dort als Textlink in der AGB-Zeile. Auf der Produktseite steht er nicht. Ob das reicht, ist unter Juristen strittig: Ein Teil hält eine einmalige, globale Darstellung im Warenkorb oder Checkout für ausreichend, ein anderer fordert die Produktseite in Nähe zu Preis und Kaufen-Button. Shopware liegt damit am permissiven Ende der Auslegung. Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, brauchst du an dieser Stelle weiterhin eine eigene Lösung.
Custom Themes brauchen Inter. Marke, Modellkennung und Garantiedauer sind im Label echter Text in der Schriftart Inter — ohne eingebettete Schriftdatei. Das Standard-Theme lädt Inter, dort passt es. Ein Custom-Theme ohne Inter zeigt diese drei Felder in einer Ersatzschrift, und die Verordnung schreibt Inter ausdrücklich vor. Einmal im Frontend gegenprüfen.
In Mails ist auf das Label kein Verlass. Shopware bettet das Label in der Bestellbestätigung als SVG-Data-URI in ein <img> ein. Gmail und Outlook blocken das regelmäßig — beim Kunden bleibt dann eine leere Stelle, dazu ohne Alternativtext. Für die Pflichtkennzeichnung im Shop ist das egal, für die Mail solltest du es wissen.
Der Hinweis wiegt schwer. Die amtliche Grafik ist ein A4-Vektor und landet als rund 650 KB Inline-SVG im HTML der Bestellabschluss-Seite. Das ist kein Beinbruch, fällt in einem Performance-Budget aber auf.
Headless. Für eigene Frontends gibt es GET /store-api/product/{productId}/garan-label und GET /store-api/legal-guarantee-notice. Beide liefern das fertige SVG, die zweite zusätzlich den passenden „Ihr Europa"-Link zur Sprache.
Ältere Versionen. Vor 6.7.14 gibt es davon nichts. Wer auf 6.6 oder älter sitzt, braucht bis zum Stichtag entweder das Update oder eine eigene Umsetzung — siehe dazu meinen Beitrag zum EU-Gewährleistungslabel.
Kurzer Hinweis
Dieser Beitrag beschreibt, wie du das Feature in Shopware technisch pflegst. Er ist keine Rechtsberatung und ersetzt keine. Ob die native Lösung in deinem konkreten Fall — Sortiment, Herstellerangaben, Zielmärkte, Sprachen — die Anforderungen der Verordnung vollständig erfüllt, klärst du am besten mit deinem Anwalt.
Nächster Schritt
Drei Dinge, die du heute erledigen kannst:
- Einstellungen → Warenkorb öffnen und den Gewährleistungshinweis einschalten. Das ist ein Klick und betrifft deinen gesamten Shop.
- Eine Liste der Artikel ziehen, für die der Hersteller mehr als zwei Jahre Garantie gibt. Das ist die eigentliche Arbeit — und sie hat nichts mit Shopware zu tun.
- Für diese Artikel Hersteller, Hersteller-Produktnummer und Garantiedauer pflegen. Einmal im Frontend gegenprüfen, ob das Label wirklich erscheint.
Der 27. September 2026 klingt weit weg. Die Datenbeschaffung beim Hersteller ist aber der langsame Teil, nicht die Pflege im Shop.
Du willst wissen, ob dein Theme oder deine Plugins der nativen Lösung in die Quere kommen? Schick mir eine Storefront-URL über das Kontaktformular, ich schau einmal rein.



