Das Problem
Am 19. Juni 2026 kippt §356a BGB in die nächste Stufe. Wer in Deutschland Verträge mit Verbrauchern online schließt — Abos, digitale Verträge, Bestellungen mit Lieferzeitraum — muss in seinem Shop einen Widerrufsbutton anbieten. Klar erkennbar, dauerhaft sichtbar, ohne Pflicht-Login.
Das ist nicht "wäre nice". Wer den Button nicht hat, riskiert Abmahnungen ab Tag eins. Genau wie damals bei dem Kündigungsbutton, der seit 2022 Pflicht ist.
Die übliche Reaktion in Shopware-Shops: Theme-Override, eigenes Formular, individuelle E-Mail-Logik. Drei Tage Entwickleraufwand, Risiko bei jedem Update.
Was Shopware 6.7.9 ändert
Mit Release 6.7.9.0 (April 2026) hat Shopware den Widerrufsbutton in den Standard übernommen. Es gibt einen vorgefertigten Formulartyp, eine vorgefertigte CMS-Seite, einen vorgefertigten Footer-Link — und einen vorgefertigten Flow im Flow Builder, der die Eingangsbestätigung automatisch verschickt.
Du musst nichts entwickeln. Du musst auch nichts pflegen. Du musst eine Checkbox setzen.
Ich habe das auf einer frischen Shopware 6.7-Installation durchgespielt. Hier ist der komplette Weg.
Schritt 1 — Einstellungen → Stammdaten öffnen
Im Admin gehst du auf Einstellungen und dort in den Bereich Stammdaten.

Die ganze Konfiguration für den Widerrufsbutton liegt hier — kein eigenes Plugin, keine versteckte Server-Config.
Schritt 2 — Shopseiten-Layout für die Widerrufsantrag-Seite prüfen
Scrolle in den Stammdaten zum Block Shopseiten. Dort findest du seit 6.7.9 einen neuen Eintrag: Shopseiten-Layout für Widerrufsantrag Seite.

Auf einer Standard-Installation ist dort bereits Default shop page layout with revocation request form voreingetragen. Das ist die CMS-Seite mit dem fertigen Widerruf-Formular. Wenn das Feld bei dir leer ist (z.B. bei einem Update von älteren Versionen), wählst du es hier einmal aus.
Tipp: Du kannst die CMS-Seite unter Inhalte → Erlebniswelten anpassen — Branding, eigene Felder, Texte. Aber für den rechtssicheren Standard reicht das Default-Layout.
Schritt 3 — Den Button im Footer aktivieren
Scrolle weiter runter zum Block Recht und Datenschutz. Standardmäßig ist die Checkbox Button "Vertrag widerrufen" im Footer anzeigen nicht gesetzt.

Einmal anklicken — und der Button ist scharfgeschaltet:

Oben rechts auf Speichern klicken. Cache leeren ist nicht zwingend nötig — Shopware lädt die Footer-Komponente bei der nächsten Seitenansicht neu.
So sieht das im Storefront aus
Wenn du jetzt deinen Shop aufrufst und in den Footer scrollst, steht direkt unter dem Kontaktformular-Link der neue Button:

Klick drauf — und der Kunde landet auf der vorgefertigten Widerruf-Seite:

Vier Pflichtfelder — Vorname, Nachname, E-Mail, Vertragsnummer. Ein optionales Kommentarfeld. Datenschutz-Hinweis mit Link zu AGB und Datenschutzerklärung. Genau das, was §356a verlangt, ohne Mehr-Information die den Kunden überfordert.
Gefüllt sieht es so aus:

Nach dem Klick auf Widerruf bestätigen geht eine Eingangsbestätigung an die Mail-Adresse des Kunden und parallel an dein Shop-Postfach. Den Versand übernimmt ein Standard-Flow im Flow Builder — du musst nichts weiter konfigurieren.
Worauf du noch achten solltest
Custom Themes: Wenn dein Theme den Standard-Footer überschrieben hat, erscheint der Button erst, wenn du das Footer-Template auf den aktuellen Stand bringst ({% sw_include '@Storefront/storefront/layout/footer/footer.html.twig' %} neu rendern). Bei reinen Style-Overrides ist das nicht nötig.
Sales Channels mit eigener Domain: Die Stammdaten-Einstellung gilt pro Verkaufskanal. Wenn du oben im Filter "Alle Verkaufskanäle" stehen hast, wirkt es global — sonst nur für den ausgewählten Kanal. Bei mehreren Sprach-Domains ist das wichtig.
E-Mail-Versand testet: Schick dir selbst einen Test-Widerruf, bevor das echte erste Mal gefeuert wird. Wenn keine Mail kommt: einmal in den Flow Builder schauen, den Standard-Flow "Widerrufsantrag" öffnen, speichern, wieder schließen. Bekanntes Detail-Problem bei manchen Update-Pfaden, eine Minute Aufwand.
Backport auf 6.6: Wer noch auf Shopware 6.6 ist, bekommt das Feature laut Shopware-Roadmap als Backport. Wenn du das Update auf 6.7 ohnehin geplant hattest — jetzt ist der Anlass.
Warum das wichtig ist
Bisher musste jeder Shop selbst eine Lösung bauen. Drei Stunden für das Formular, drei für die Mail-Logik, drei für die Anpassung an das Theme, dann nach jedem Shopware-Update erneut prüfen. Ich kenne diese Aufwände aus eigenen Projekten — und sie fallen jetzt weg.
Was bleibt: die Entscheidung, ob das Default-Formular reicht oder ob du es im CMS um eigene Felder ergänzt (Beispiel: Kundennummer, gewünschtes Rückerstattungs-Konto). Das ist eine 20-Minuten-Anpassung in den Erlebniswelten, kein Entwickler-Ticket mehr.
Kurzer Hinweis
Dieser Beitrag beschreibt, wie du das Feature in Shopware technisch aktivierst. Er ist keine Rechtsberatung und ersetzt keine. Ob die native Lösung in deinem konkreten Fall — Sortiment, Vertragsart, AGB, Datenschutz — die gesetzlichen Anforderungen vollständig erfüllt, klärst du am besten mit deinem Anwalt.
Nächster Schritt
Wenn du auf 6.7.9 oder neuer bist: aktivier die Checkbox, prüf den Footer, schick einen Test-Widerruf. Drei Minuten Arbeit, ein Monat vor dem Stichtag.
Wenn du noch auf 6.6 oder älter bist: Plan das Update jetzt. Wer am 19. Juni ohne Button live ist, ist abmahnfähig.
Wenn du unsicher bist, ob dein Theme oder deine bestehenden Plugins der nativen Lösung in die Quere kommen: schick mir eine Storefront-URL über das Kontaktformular, ich schau einmal rein und sage dir, wo du anfassen musst.
